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graindelavoix

CODEX CHANTILLY

Musik des späten 14. Jahrhunderts: Schüler und Nachfolger
von Guillaume de Machaut, Meister der Ars subtilior

Kompositionen von Solage, Johannes Simonis Hasprois,
Matheus de Sancto Johanne, Baude Cordier und anderen

graindelavoix

Olalla Alemán Superius
Eurudike De Beul Superius
Marius Peterson Contratenor
Yves Van Handenhove Contratenor
Lieven Gouwy Tenor
Thomas Vanlede Tenor
Tomàs Maxé Bassus
Antoni Fajardo Bassus

Björn Schmelzer Künstlerische Leitung

Von dieser Musik geht ein eigentümlicher Sog aus. Würde man wie zufällig an ihr vorbeikommen, man würde stehen bleiben, um sie zu Ende zu hören. Vielleicht weil sie aus einer anderen Welt stammt, aus einer anderen Zeit. Sie ist alt, sehr alt, 600 Jahre und mehr. Sie entstand vor der Grenzlinie, die wir mit Renaissance, Reformation und Weltentdeckungen um unsere Epoche, die Neuzeit, zogen. In einer Hinsicht glich die Situation der damaligen Tonkünstler der heutigen: Neue Medien schufen dem Komponieren neue Möglichkeiten. Im 14. Jahrhundert war es eine differenzierte Notenschrift, heute ist es die Mitarbeit elektronischer Denksysteme. In beiden lagen unerhörte Chancen zur differenzierten Ausarbeitung musikalischer Zusammenhänge (und Nicht-Zusammenhänge). Was wurde, was wird daraus? »In keiner anderen frühen Musik war man so sehr darauf bedacht, die physikalischen Welten von Klang, Bewegung und Dynamik mit jenen von rhetorischem und musikalischem Ausdruck zu verknüpfen – als wäre die nun erfundene Notation eigens zu diesem Zwecke entwickelt worden.« (Björn Schmelzer)

Graindelavoix nennt Björn Schmelzer mit einem Titel von Roland Barthes sein Ensemble, das Korn, die Körnung der Stimme. Sie gibt ihr den Charakter, verklammert Sprache und Musik in der sinnlichen Erfahrung. Sie schafft die feine Rauheit, an der wir die Eigentümlichkeit einer Sache spüren. An der Rauheit, nicht an der Glätte.