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DAS EREIGNIS                                            DES SELBST/ANDEREN

spielzeit’europa 2010

spielzeit’europa 2010 setzt auf erfahrbare Dialoge in der Begegnung mit innovativen Theatersprachen. Neue theatralische Dimensionen fordern unsere tradierten europäischen Blickweisen heraus, um Verstehen über die reine Decodierung von Sprache hinaus zur Erfahrung des Anderen werden zu lassen. Der Andere, das sind auch wir selbst: Diese Erfahrung kann Theater als kultureller Dialog möglich machen.
Der Dialog beginnt im Sommer im barocken Ambiente des Schlosses Charlottenburg mit einem MAUForum, inszeniert von dem aus Samoa stammenden Künstler Lemi Ponifasio als eine Zeremonie und ein Fest der Künstler. Im November gelangt Sasha Waltz’ neue Kreation Continu – eine Weiterentwicklung von Dialoge 09 – Neues Museum – bei spielzeit’europa zur Deutschlandpremiere. Isabelle Huppert ist als Blanche DuBois nervöse Diva assoluta in der hochtechnisierten Theaterwelt Krzysztof Warlikowskis – und damit schon zum dritten Mal Gast bei spielzeit’europa. Angelin Preljocaj lässt seine Compagnie und Tänzer des Bolschoi-Balletts im Dialog mit dem indischen Künstler Subodh Gupta alltägliche Rituale enthüllen. Sidi Larbi Cherkaoui und Damien Jalet setzen mit Tänzern und Musikern aus 13 Ländern auf Dialog im babylonischen Sprachgewirr und machen eine Welt aus Live-Konzert, Theater, Tanz, Text und Skulptur erfahrbar. Der auf Interviews mit Missionaren im Kongo basierende Monolog Mission erzählt von einem zerstörten Land, von wunderschöner Natur und namenloser Gewalt. Erstmals in Berlin zu sehen sind Arbeiten des in New York lebenden chinesischen Choreografen Shen Wei, so seine »Neubegegnung« mit Asien anlässlich einer Reise zur Tempelanlage Angkor Wat. Mit Tristi Tropici von Virgilio Sieni nach Claude Lévi-Strauss endet diese Saison vorweihnachtlich – und einmalig wie der Beginn. Nach fortlaufenden Sanierungsmaßnahmen 2011 wird das Haus der Berliner Festspiele erst in der nächsten Saison wieder uneingeschränkt von spielzeit’europa bespielt werden können.
»Künstler sind die Propheten einer bestimmten Wirklichkeit« [Krzysztof Warlikowski] – und Kunst ist unsere einzig glaubhafte Erfahrung und Möglichkeit der Veränderung.
Unser Dank gilt Bernd Neumann, dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, und Ihnen, wertgeschätztes Publikum, das wir herzlichst zu einer weiteren Ausgabe von spielzeit’europa einladen dürfen.

Brigitte Fürle, Künstlerische Leiterin spielzeit’europa | Berliner Festspiele
Joachim Sartorius, Intendant Berliner Festspiele


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